Porträt

Immer Mittwochs, von 17 bis 22 Uhr

Felix Jacowitz, Sendetechniker bei Radio Lora

Von Klaus Wagner

Felix Jacowitz im Sendestudio von Radio Lora. Foto: Klaus Wagner
Felix Jacowitz im Sendestudio von Radio Lora. Foto: Klaus Wagner

Die einen können sich zurücklehnen und zuhören. Die anderen arbeiten, sonst gibt es nichts zu hören. Während die einen in der Entspannung abschalten können, sind die anderen möglicherweise sehr nervös und angespannt. Wenn sie einen Fehler machen, geht unter Umständen ein Sendeloch on air und es kommt kurzzeitig nur Stille aus dem Lautsprecher. Sendetechniker zu sein ist manchmal ein aufregender Job.




Wortlose Verständigung zwischen 
Sprecherin und Techniker. Foto: Klaus Wagner
Wortlose Verständigung zwischen Sprecherin und Techniker. Foto: Klaus Wagner
Es sieht ruhig und gelassen aus, wie er arbeitet. Hin und wieder Blicke durch das Fenster in das Sprecherstudio nebenan, in die Aufzeichnungen in seiner Hand, oder auf den PC-Monitor. Mausklicks. Seltener Handgriffe am Steuerpult. Der Techniker, der heute Abend für die Sendetechnik verantwortlich ist, wirkt wie ein Profi. Seit drei Jahren ist er bei Radio Lora. Immer Mittwochs, von 17 bis 22 Uhr. Und tagsüber, oder davor, als Techniker bei einem anderen Sender? Nein, zuerst war er Augenoptiker und dann Taxifahrer. Er heißt Felix, ist 60 Jahre alt und ein sehr ruhiger Typ. Aufmerksame Augen hinter einer Goldrandbrille. Er arbeitet ehrenamtlich bei Lora, wie mehr als 150 andere Radiomacher: Sprecher, Moderatoren, Redakteure und eben Sendetechniker


Kurios ist, wie er zum Sender kam. Für seinen Sohn wollte er einen Platz für ein Praktikum bei Radio Lora besorgen. Dann wollte dieser plötzlich nicht mehr und er sei dann hier hängen geblieben. Irre Spaß mache es ihm, sagt Felix. Sein Sohn habe inzwischen gar nichts mehr mit Radio im Sinn. So kann's auch gehen.

Aufwendige Technik für einen guten Klang. Foto: Klaus Wagner
Aufwendige Technik für einen guten Klang. Foto: Klaus Wagner

Großes Steuerpult mit vielen Drehknöpfen, die alle gleich aussehen; eine Anzahl Schieberegler, auch alle gleich. Ein Mikrophon an einem Schwenkarm, CD-Player, Plattenspieler, ein PC und eine Box in die Kabel hineinmünden und herausführen. Alles befindet sich in einem gemütlich kleinen Raum. Das Equipment hat den Charme des Zusammengetragenen, funktioniert aber hörbar tadellos. Einwandfreier Sound, der da aus den Lautsprechern kommt. Drei bis vier Wochen habe die Einarbeitung gedauert, sagt Felix, danach sei er Selbstfahrer gewesen. So nennt man diejenigen, welche die Sendetechnik allein betreuen können. Viel hat er sich durch learning by doing beigebracht. Schweißnass sei er am Anfang gewesen. Und sehr nervös. Je nervöser man sei, je mehr passiere: zum Beispiel, man drückt auf eject statt auf play. Dann gibt es ein Sendeloch.

U. Nisser im Studio Foto: Klaus Wagner
U. Nisser im Studio. Foto: Klaus Wagner
Jetzt passieren die Fehler aus der Routine heraus. Macht man einen, hört man das im Radio. Nicht schlimm, sagt Felix, kleine Missgeschicke nehme hier keiner übel. Lora München, nur echt mit der kleinen Panne. So fängt um 17 Uhr das Tagesprogramm an. Ob er sich da auskenne, mit allen Knöpfen und Reglern auf dem Steuerpult? Nein, das ist nicht nötig. Zwei professionelle Sendetechniker kommen regelmäßig vorbei und machen die Einstellungen am Mischpult. Wenn keiner was verstellt, dann passt das. Für ihn seien nur diese Schieberegler wichtig, sagt er. Auch wenn man nicht mit allen Knöpfen zu tun hat, Gefühl für den Klang von Sprache und Musik sollte man schon haben.


Für wen er Radio mache? Für die, die es überdrüssig sind, Mainstream zu hören. Für die, die mal was anderes hören wollen. Alle drei Monate an einem Mittwoch hat er seine eigene Musiksendung: Plattenbau/Kontraste; die nächste wird am 31. Januar ausgestrahlt. Inhalt, Moderation und Sendetechnik macht er alles selbst. 20 Stunden Vorbereitung brauche er für eine Stunde Sendung und für jede lasse er sich was Neues einfallen. Woher die Ideen kämen? Er zuckt ein paar mal mit den Schultern und schaut fragend. Er wisse es wirklich selbst nicht. Die kämen angeflogen. Hintergrundwissen hole er aus dem Internet und aus Musikzeitschriften. Nach einer Sendung, wenn die ganze Anspannung in ihm nachlasse, sei er fix und fertig. Ob er schon mal ein Interview gemacht habe, in einer seiner Sendungen? Nein, noch nicht, aber demnächst will er eines planen. Sein Wunschgast wäre Jaques Loussier, der bekannte Jazz-Musiker, der Gründer des Play-Bach-Trios. Jeder hat so seine Träume.

Bei Lora gäbe es Leute, die würden aus dem Stegreif arbeiten, sagt er. Die kämen mit einem Stapel CDs unter dem Arm ins Studio und würden dann auf Sendung gehen. Seiner Stimme ist anzuhören, dass er die bewundert. Und der Sprecher, der gerade eine Musiksendung moderiert, der sei zwei Größenordnungen besser als er. Er sagt das ohne Neid, wie jemand, der etwas vom Radiomachen versteht. Bisher hat er erst seine neunte eigene Sendung gemacht.

Links:

Felix Jacowitz: Felix Jacowitz

Radio Lora München: Nur echt mit der kleinen Panne

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