Porträt 3
Von Klaus Wagner
|
| Irmgard Mannes im Unterricht. Foto: Klaus Wagner |
„Was sollte aus dem Geschäft werden, was aus den fünf Angestellten?” Diese Fragen erinnert sich Irmgard Mannes, mussten schnell beantwortet werden, nachdem die Ladeninhaberin und enge Freundin Ute Volz 2001 bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Mannes hatte eine Zeit lang in Utes Laden mitgearbeitet, vorher als Studentin in einer Bahnhofsbuchhandlung gejobbt. Mehr Ahnung hatte sie nicht, vom Geschäft mit Büchern. „Aber ich wollte auf jeden Fall das Erbe von Ute erhalten.” Mannes übernahm den Laden.
|
| Heidi Dudek-Mannes im Metropol Theater. Foto: Klaus Wagner |
Ein Jahr später trat ihre Schwester Heidi in die Geschäftsführung mit ein. „Buchhändlerin war für mich der Traumberuf”, erzählt sie, aber nach einem nicht ganz geglückten Abitur habe sie sich erst einmal in einem Studium beweisen wollen. Auch Heidi wollte Utes Sortiment nicht in fremden Händen sehen.
Die Übernahme bedeutete für beide Frauen eine Doppelbelastung. Denn eigentlich sind sie in der Bildungsarbeit zu Hause, was ursprünglich politisch motiviert war. „Wir wollten etwas tun für Frauen, die von zu Hause aus keine Gelegenheit hatten, auf eine höhere Schule zu gehen oder in denen im Erwachsenenalter das Bedürfnis nach Bildung erwachte”, sagt Heidi Dudek-Mannes. Sie unterrichtet seit vielen Jahren in der Erwachsenenbildung, gestaltet für das Münchner Bildungswerk Seminare in Literatur und Geschichte, organisiert Theaterbesuche.
Ihre Schwester Irmgard ist Lehrerin an der Münchner Volkshochschule. Nach ihrem Staatsexamen hatte sie Kurse für Hausfrauen aufgebaut, die zur Mittleren Reife oder zum Abitur führen. Lehrerin im Staatsdienst, das habe sie nie sein wollen, erklärt sie vehement. „Ich hätte mich angepasst, weil man es von mir erwartet hätte”, meint sie. „Zuträglich gewesen wäre es mir nicht.”
Die ersten zwei Jahre im Buchhandel forderten die Schwestern bis an ihre Grenzen. „Ohne unser Team wäre es nicht möglich gewesen”, blickt Heidi zurück. Vier Sortimenterinnen betreuen eigenständig eigene Abteilungen, eine Kollegin ist für die Verwaltung zuständig. Wie die Geschäftsführerinnen arbeiten auch die Mitarbeiterinnen nur zu bestimmten Zeiten in der Woche.
„Wirtschaftlicher Erfolg ist für uns nicht die absolute Richtschnur”, so Heidi Dudek-Mannes. Was in erster Linie zähle, sei, das Geschäft und die Arbeitsplätze zu erhalten. Fallen die monatlichen Einnahmen schon mal geringer aus, macht sich das deutlich am Verdienst der Schwestern bemerkbar. In solchen Zeiten führt sich Irmgard Mannes immer vor Augen, dass ihnen dafür der Laden gehört. Sie fühlt sich privilegiert, weil ihre Arbeit als Lehrerin und Buchhändlerin für sie viel Freiheit bedeutet - zumal sie durch ihre Lehrtätigkeit genügend verdient.
„Ich rechne lieber nicht”, stellt Heidi fest - denn würde sie hart kalkulieren, müsste sie ihr Engagement im Buchladen aufgeben. Geld sei in ihrem Elternhaus nie das große Thema gewesen, auch wenn es für die achtköpfige Familie oft nur knapp gereicht hätte. Entscheidend sei immer gewesen, das zu tun, was man für richtig gehalten habe.
Ist es schwierig, als Schwestern zusammen zu arbeiten? „Nein”, meint Irmgard, „wir sind uns in unserer großzügigen Art und unseren Ansichten sehr ähnlich.” Heidi sei manchmal etwas chaotisch, aber das sei nur eine Marginalie. Viel wichtiger sei die Gewissheit, sich aufeinander verlassen zu können.
Links:
Alle Bilder und Texte auf dieser Website sind urheberrechtlich geschützt